Ein neuer Name oder „Beobachten, beobachten, beobachten…“

Teil V des Permakultur-Projektes „Umgestaltung Wilde Ecke“

Hier kommt ein neuer Artikel – der inzwischen 5. Teil – zur Umgestaltung der ‚Wilden Ecke‘ im Bürgergarten. … Teil IV ist hier.
Hatten wir das schonmal erwähnt? Die ersten drei Schritte in der Permakultur (dem Konzept zur Gestaltung lebendiger Systeme, nach welchem wir arbeiten) lauten: Beobachten, …Beobachten und… Beobachten. Damals im Kurs haben wir darüber gelacht, aber tatsächlich ist die wichtigste Grundlage im permakulturellen Kontext zu beobachten und daraus Schlüsse zu ziehen. Erst „viel später“ geht es los mit dem bewussten Gestalten. Gut, inzwischen haben wir ja unsere ‚Wilde Ecke‘ einige Monate weiter beobachten können und diese Beobachtungen wollen wir mit euch teilen.

Zuerst einmal zu unserer ersten Wintererfahrung mit ihr in der umgestalteten Form: Wir haben erlebt, dass nicht nur Trockenheit für die Tonabdichtung im Lichtteich eine Herausforderung darstellt, sondern auch Frost. Nachdem der Teich in den Wintermonaten teils wunderschön zugefroren war (siehe Bild), fasste er im März recht wenig Wasser und der Rand war bröselig trocken aufgebrochen. Es war also zunächst wieder dran, die Tonschicht zu reparieren…

Im Sumpfbeet hatten die Wasserminze und der Sumpf-Ziest (beides in Töpfen im Beet, da sie die Tendenz zum Wuchern haben) den Winter erstaunlicherweise nicht überstanden. Auch die Krötenbinse kam nicht wieder. Dafür fühlt sich der Brennende Hahnenfuß wohl und blüht jetzt im August schon seit einigen Wochen in einem herrlich sonnigen gelb, auch der Gliederbinse geht es gut. Das Sumpf-Vergissmeinnicht wuchs bis in die Sommermonate dieses Jahres kräftig und bedrängte die anderen Pflanzen. Deshalb ist es nun an den Rand des Beetes gezogen. Und neu im Beet sind Sumpf-Blutauge und Kuckuckslichtnelke. Mal sehen, wie die beiden in der Pflanzengemeinschaft zurechtkommen.

Der Rand und auch der Wall um den Teich herum haben sich im Frühling ruck zuck mit verschiedenen Pflanzen selbst begrünt. Hier war ein Begrenzen erforderlich, wenn Pflanzen zu groß wurden oder sehr viele Samen produzieren. Mittlerweile sind auch im Teich Wasserpflanzen eingewandert, die wir jedoch wieder entnehmen werden, da sie nicht nur die Dichtheit der Tonschicht gefährden, sondern das Wasser auch beschatten, was dem Konzept eines Lichtteichs widerspricht.

Im Juni freuten wir uns über den ersten größeren tierischen „Zuwanderer“ in der Wilden Ecke: einen MOLCH (leider konnten wir die genaue Art noch nicht bestimmen). Und offenbar hat es der Molchfrau im Lichtteich so gut gefallen, dass sie in einige eingerollte Blätter am Grund des Teiches Eier abgelegt hat. Im Juli entdeckten wir dann nämlich 10-15 Molchkinder in unserem Lichtteich! 😉

Da die Entwicklung zum ausgewachsenen Tier ausschließlich im Wasser stattfindet, mussten wir dafür sorgen, dass der Teich in den kommenden Wochen ausreichend gefüllt blieb. Wie gut, dass wir seit Frühjahr einen Schlauch zur Regentonne liegen haben, mit dem die Auffüllung des Teiches ganz ohne Pumpe funktioniert! Wir hofften also auf regelmäßigen Regen… Inzwischen (Ende August) scheinen die Molchkinder erwachsen geworden und an Land gegangen zu sein – wie schön!

Ziel der Umgestaltung unserer „Wilden Ecke“ im Garten ist ja vor allem gewesen, einen Beitrag zu mehr Artenvielfalt im Garten und darüber hinaus zu leisten. Wir freuen uns sehr, dass dies zu gelingen scheint. Zugleich beobachteten wir, dass wir in der ‚Wilden Ecke‘ immer wieder regulierend eingreifen müssen, um diesen Raum für mehr Artenvielfalt zu erhalten. Denn nach den „Regeln“ der Natur würde sich der Lichtteich begrünen und mit der Zeit verlanden, der Sandplatz der Wilden Ecke wäre schnell vollständig mit Pflanzen bedeckt, die Eidechsenburg und der Käferkeller würden nach und nach überwuchert werden und zuwachsen. Diese Entwicklung über Jahre und Jahrzehnte hinweg wird Sukzession genannt: Zunächst würden sich vor allem (Pionier)Pflanzen ausbreiten, die durch ihre geschickten Vermehrungsstrategien gewisse Vorteile haben und in der Lage sind, brachliegende Flächen schnell zu begrünen. In unseren Breiten würde eine Fläche allsbald verbuschen – Sträucher und kleinere Pioniergehölzen würden die Fläche also besiedeln, und schließlich, sozusagen „am Ende“ dieses Prozesses der Sukzession, stünde ein (Buchen)Wald! ;-o

Da in unserer „Wilden Ecke“ zum Erhalt der jetzigen Möglichkeiten für Artenvielfalt also immer wieder Eingriffe aus oben beschrieben Gründen nötig sind und sein werden, meinen wir, dass der Begriff für diesen Teil des Gartens eigentlich gar nicht mehr passt. Wir suchen also einen neuen Namen für unsere ‚Wilde Ecke’… Schreibt uns gern, wenn ihr Vorschläge habt!